Liebe Leserinnen und Leser,
rauchende Schlote, der ohrenbetäubende Lärm von Presslufthämmern, der Wechsel zwischen Früh-, Mittags- und Nachtschicht: Diese und ein paar andere Assoziationen mehr dürften vielen von uns in den Sinn kommen, wenn wir daran denken, wie zu Zeiten unserer Eltern, Großeltern und deren Vorfahren gearbeitet wurde.
Und heute? Heute bereiten wir uns auf die Produktion der Zukunft vor. Auf eine Produktion, die mit Adjektiven wie digitalisiert, wandelbar, effizient und nachhaltig umschrieben wird. Industrie 4.0 steht für die intelligente Vernetzung von Produktentwicklung, Produktion, Logistik und Kunden. Keine Frage: Die vierte industrielle Revolution wird das Arbeiten in der westlichen Welt verändern. Und mit ihr das Leben der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Das darf man getrost als Chance begreifen. Das kann, ja muss einem aber nicht minder Furcht einflößen. Die Furcht nämlich, dass der Mensch und das Menschliche auf der Strecke bleiben.

Deshalb ist es gut, dass unser Kultursommer in diesem Jahr dazu einlädt, sich mit all diesen Fragen zu befassen. Die Westerwälder Literaturtage haben diese Einladung nur zu gerne angenommen und geben mit einer Vielzahl anspruchsvoller und unterhaltsamer Lesungen ganz unterschiedliche Antworten auf eben jene Fragen. Literatur weitet den Blick für die Träume und Traumata. Sie geht den Dingen auf den Grund. Gut, dass wir so viele gute Autorinnen und Autoren haben, die genau dies leisten: den Dingen auf den Grund zu gehen. Etliche von diesen können Sie bei den Westerwälder Literaturtagen erleben.

Ich wünsche Ihnen viele anregende Lesungen –
und anschließend viele konzentrierte Lesestunden daheim.
Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur